Samstag, 27. Januar 2018

Erste Inbetriebnahme der KWL

Letztes Wochenende hab ich die Lüftungsanlage an der vorher gebauten Konstruktion aufgehängt und zum ersten Mal in Betrieb genommen. 
Ich hatte ja die Befürchtung, dass das Gerät etwas zu klein ausgelegt ist, dadurch auf hoher Stufe laufen muss und recht laut wird. Das wollte ich nun einfach mal ausprobieren...



Ergebnis: 
Die Anlage ist doch deutlich lauter als gedacht. 😒 Eigentlich sollte das keine Überraschung sein. Das Gerät bläst auf hoher Stufe 300 m³/h Luft durch - genauso viel wie eine Dunstabzugshaube auf hoher Stufe - weshalb sollte es also recht viel anders klingen? Da ich leisere Anlagen kenne (mit größerem Rohr-Durchmesser) und der Planer mir versichert hat, dass man die Fortluft "kaum" hört, waren wir aber doch etwas überrascht. 
ABER: Die meisten Geräusche kommen aus dem Fortluft-Rohr, alles andere scheint relativ leise zu sein. Ich hab die Anlage quasi im Umluft-Betrieb getestet, Außenluft und Fortluft sind noch nicht nach draußen geführt. Später wird die Fortluft draußen auf dem Dach sitzen, da sollte sie eigentlich nicht mehr hörbar sein. Ich bin sehr froh, dass ich mich für 's Dach entschieden hab und die Anlage nicht im Erdgeschoss steht. Unseren Nachbarn würde ich die Geräuschkulisse nicht zumuten wollen (wir sind zum Glück in einem Luftwärmepumpen-freien Baugebiet 😃). 
Wenn nun also die Fortluft auf dem Dach sitzt, die Decke zwischen Dachgeschoss und Spitzboden gedämmt wurde und uns im Normalbetrieb hoffentlich eine deutlich niedrigere Leistung ausreicht, dann bin ich relativ zuversichtlich, dass man die Anlage kaum noch hören wird. Ansonsten bleibt uns nur das Gerät, wenigstens Nachts, so weit runter zu drosseln bis man nichts mehr hört. Ein teurer Umstieg auf ein größeres Gerät mit größeren Rohr-Durchmessern ist nun eigentlich keine Option mehr. 

Berechnung der benötigten Leistungsstufen:
Da der Planer für meinen Geschmack etwas zu grob gerechnet hat und einige Kubikmeter vergessen hat, hab ich selbst nochmal nachgerechnet. Unser Haus hat inkl. dem gedämmten Spitzboden ein Luftvolumen von ca. 444 m³. 
Um den nötigen Luftaustausch zu ermitteln, gibt die DIN 1946-6 vier Lüftungsstufen vor. Für diese Stufen rechnet man mit folgenden Faktoren: 
  1. Lüftung zum Feuchteschutz - ca. 0,15 facher Luftaustausch pro Stunde
  2. Reduzierte Lüftung - ca. 0,3 facher Luftaustausch pro Stunde
  3. Nennlüftung - ca. 0,4 facher Luftaustausch pro Stunde
  4. Intensivlüftung - ca. 0,5 facher Luftaustausch pro Stunde
Edit 22.1.19: 
Das Planungstool von Helios errechnet wegen gutem Blower-Door-Wert und geschützter Lage deutlich höhere Werte: 0,15 / 0,32 / 0,46 / 0,59. Letztendlich sind das aber ja alles nur Rechen-Modelle und man muss halt schauen welche Leistung in der Praxis reicht. Hängt ja auch stark von der Anzahl der Bewohner ab. Ich hab für mich nun folgende Luftwechselraten für die 4 möglichen Stufen gewählt: 0,1 / 0,2 / 0,4 / 0,6 facher Luftwechsel pro Stunde. Im Standard-Betrieb lass ich die Anlage auf Stufe 2 laufen (0,2-facher Luftwechsel, 89 m³/h), bei Hitze oder Kälte auf Stufe 1. Zum kurz durchlüften nach dem Kochen auf Stufe 4. Stufe 3 in kühlen Nächten nach heißen Sommertagen. So weit die Automatik. Wir können die Stufen natürlich jederzeit manuell einstellen, aber das war bisher eigentlich nie notwendig. 
Der Stromverbrauch liegt trotz "nur" 0,2-fachem Wechsel bei überraschend hohen 51 Watt. Es hat sich aber auch raus gestellt, dass die Rohre durch die Verlegung im Spitzboden ungünstig lang geworden sind. Letztendlich muss für eine gleichmäßige Belüftung an jedem Ventil der gleiche Druckverlust hergestellt werden. Hat man im Extremfall 1 Rohr mit 20 Meter Länge und 10 Rohre mit nur 2 Meter länge, muss jedes der 10 kurzen Rohre auf den gleichen Widerstand wie das 20 Meter Rohr "gebremst" werden. So in der Art, natürlich nicht ganz so extrem, ist es bei uns leider der Fall und dadurch vermutlich ein für diese Leistung überdurchschnittlicher Stromverbrauch. Im Betrieb mit Nennleistung braucht unsere Anlage satte 140 Watt. 
Unabhängig vom Stromverbrauch empfehle ich die Anlage auf möglichst geringer Leistung laufen zu lassen, nicht auf der berechneten Nennleistung. Im Winter sollte das auch ein bisschen Heizkosten sparen und vermeidet ein zu schnelles Austrocknen der Luft. 


Einrichten lässt sich das Gerät am besten über einen per LAN-Kabel verbundenen Laptop. Alternativ geht das auch mit der analogen und der digitalen Bedieneinheit, KNX-Modul oder Modbus TCP/IP. 
Ich war positiv davon überrascht, dass das Gerät serienmäßig drei Temperatursensoren und einen Luftfeuchtigkeitssensor mitbringt. Damit lässt sich die (mittlere) Feuchtigkeit der Abluft ermitteln und das Gerät kann so konfiguriert werden, dass es je nach Luftfeuchtigkeit die Leistung hoch und runter regelt. 
Edit 22.1.19: Die gemessene Luftfeuchte kommt mir zu hoch vor. Ich nutze den Wert aber eh nicht zur Steuerung, stattdessen nutze ich Temperaturwerte von drinnen und draußen. 

Ach ja, zum Schluss vielleicht noch der Hinweis, dass man die KWL eigentlich nicht im Rohbau betreiben sollte. Da bei uns im Moment keinerlei Schmutz anfällt, lasse ich sie trotzdem schon auf niedriger Stufe laufen. Unser Estrich ist ja gerade in der Aufheizphase, das Klima im Haus subtropisch, und ich will vermeiden, dass sich im fensterlosen Spitzboden die Luftfeuchtigkeit staut. 

Die drei Rohre die mitten im Raum aus dem Boden kommen sind leider sehr unpraktisch. Ich hab leider auch noch keine Idee wie ich die am besten verstecke bzw. vor Knicken schütze...

Durch die quadratische Aussparung in der Wand wird später Frischluft angesaugt. 

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